Sport bewegt (mich)

Dienstag, Februar 17, 2015

Wieso mache ich Sport?
Die einfache Antwort auf diese Frage ist: „Weil ich abnehmen will.“
Aber ist das schon die ganze Antwort und darf es auch die einzige Antwort sein? Wie zielführend und motivierend kann Sport sein, wenn es nur um eine Zahl auf der Waage geht?

Die letzten Jahre habe ich mich viel mit dem Thema beschäftigt, was wichtig für mich ist und was mir gut tut. Ich habe einmal mehr, einmal weniger hingeschaut, manchmal auch die Augen verschlossen und dann wieder Dinge in mein Leben gelassen, die ich eigentlich schon erfolgreich vertrieben hatte.
Ich durfte aber auch neue Seiten an mir kennenlernen und alte, vergessene wieder ausgraben und zu neuem Glanz führen.

Gerade die letzten Monate haben mich viel zum Nachdenken und Innehalten gebracht. Die letzten Wochen vielleicht sogar besonders intensiv.

Aber ich schweife ab, geht es doch ganz einfach um die Frage, wieso mache ich Sport. Und schon ist mein Abschweifen ein Teil meiner Antwort.

Sport tut mir gut – auf so vielen Ebenen.

Einerseits gibt es diese offensichtlichen Dinge: Ich nehme ab und werde gesünder. Die Bewegung hilft mir mein Körpergewicht zu senken und meine Werte verbessern sich. Meine Risikofaktoren werden reduziert und meine Lebenserwartung steigt.

Meine Figur ändert sich, mein Gesicht bekommt wieder mehr Kontur. Ich wirke gesünder und verändere mich äußerlich, mein Umfeld verändert sich mit. Meine Haut ist schöner, meine Augen strahlen.

In meiner Familie ist die Lendenwirbelsäule ein Schwachpunkt. In kurzen Zeitabständen hatten zuerst meine Schwester, dann mein Bruder, dann meine Mutter einen Bandscheibenvorfall. Indem ich Muskulatur aufbaue und meine körperliche Mitte stärke, wirke ich dieser Vorsehung vielleicht entgegen.

Ich fühle mich stabiler und körperlich ausgeglichener. Ich bin ein riesiger Tollpatsch, aber auch meine Reaktionsfähigkeit hat sich verbessert und meine Körperbeherrschung ebenso. Ich bücke mich automatisch anders und meine Bewegungen sind runder.

Und dann kommt dieser große Teil, den man nicht sieht. Denn man vielleicht doch sieht, wenn man in meine Augen blickt oder mich lachen hört. Bewegung macht meine Seele ausgeglichener. Bewegung macht mich stark und gibt mir Mut. Bewegung schenkt mir Endorphine und vertreibt Sorgen.

Ich habe von meinem letzten Jahr geschrieben, das nicht immer glatt lief. Ich habe auch von Medikamenten geschrieben, die ich wegen Angstzuständen nahm. Und ich habe davon berichtet, dass der Tag kam, an dem ich sie nicht mehr nehmen wollte und das Gefühl hatte, ich stecke fest.

Als ich entschieden habe, mich vom „leichten“ Weg abzuwenden, hielt ich mir vor Augen, dass mir Sport vorher schon gut getan hat und, dass es mir wieder gut tun würde. Ich weiß noch, wie ich einen Text über die Zeit geschrieben habe. Wie ich in diesem Zwischenstadium saß und nicht vor oder zurück wusste und mich nur zu erinnern versuchte, wie ich schon einmal alle und am meisten mich selbst überrascht hatte, als ich Laufen als Sport entdeckte und die Distanzen steigern konnte.
Der Text war sehr intensiv und bis auf ein paar ausgewählte Personen wird ihn niemand zu lesen bekommen. Es muss Tiefen geben, um Höhen spüren zu können.

Das alles liegt noch gar nicht so lange zurück und doch fühle ich mich wie ein anderer Mensch. Ich hoffe nur, dass ich mir meine Motivation und den Spaß am Sport bewahren kann. Dass ich mich steigern kann und ich nicht vergesse, wie wichtig die Bewegung für mich ist. Nicht wegen dem Abnehmen. Nicht wegen dem Gewicht. Nicht für mein Aussehen. Sondern für mich und für mich allein.

Mein Motto für 2015 lautet „Schau nicht zurück“ und von daher werde ich nach vorne blicken und guter Dinge sein.

Quelle: Julien Christ / pixelio.de

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8 Gedanken zu diesem Thema

  1. Sehr schön geschrieben. Der beste Grund dranzubleiben :)
    Ic habe durch den Sport auch so viele Freunde/bekannte gefunden die ich nicht mehr missen möchte. Es gibt also so viele Gründe Sport zu machen ;)

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    1. Gut, dass du das erwähnst ^^ Den Punkt hab ich oben vergessen

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  2. Kann ich so unterschreiben, gerade der psychische Effekt wird oft unterschätzt. Deswegen wird z.B Depressiven oder Angsterkrankten auch immer geraten Sport zu machen.
    Ich wusste gar nicht, dass du schonmal Tabletten genommen hast. Ohne funktioniert es bei mir noch nicht, aber Sport hilft zusätzlich echt gut (wenn man sich denn mal aufgerafft hat^^)

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    1. Ganz am Anfang hat man mir gesagt "Spazieren gehen" - ich hab's belächelt, bin dann bewusster spazieren gegangen und musste mir eingestehen, dass was dran ist.
      Wenn's ganz schlimm ist und man alleine nicht raus kann, dann ist das natürlich auch nicht die goldene Lösung.
      Ich glaub, es hilft auch, weil man seinen Körper (wieder) besser kennenlernt, nicht mehr so entfremdet ist - geerdet vielleicht?

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  3. Ein toller Post! Kann ich auch für mich sofort so unterschreiben!

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  4. Toller Text!

    Und Bewegung hilft wirklich immer. Nur glaubt einem das kaum jemand. Weil sie es nicht testen. Und manchmal glaube ich es mir selbst ja auch nicht. Und bin zu lethargisch und bleibe zu hause. Und bereue es danach noch viel mehr...

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  5. Ganz toll geschrieben und so wahr :) Schön wenn aus "ich mache Sport um abzunehmen" ein "ich mache Sport, weil er mir gut tut und ich ihn aus Ausgleich brauche" wird. Sport tut so viel mehr für den Körper als uns die lästigen Pfunde vom Leib zu halten.

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  6. Ganz ganz wahr! Und ich hab mich mal durch ein paar Posts gelesen und mich gleich mal so ein bisschen in deinen Blog verliebt! Freu mich schon drauf mehr zu lesen! :)

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Danke für deine Worte : )
Ein nettes Wort, ein lieber Gruß, positive wie negative (konstruktive) Kritik - ich freu mich!

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