Essen, Sport und die lieben Eltern

Mittwoch, Dezember 05, 2012

Während wir aufwachsen, aber zum Teil auch später noch, sind unsere Eltern Vorbild für uns. Sie prägen unsere Werte und Einstellungen, aber ebenso unser gelerntes Verhalten – so auch im Bezug auf Essen und Sport.

Eigentlich wollte ich der lieben Mey ja nur auf ihren Blogeintrag (hier nachzulesen) antworten. Bei ca. 200 Wörtern angelangt und noch kein Ende in Sicht, dachte ich mir, ich schreib doch lieber einen eigenen Beitrag. Scheinbar beschäftigt mich das Thema mehr als gedacht.

Mey schreibt über Sport, wie wichtig und positiv er für sie geworden ist und wie ihre Familie im Allgemeinen damit umgeht. Da Sport nie ein großes Thema war, hat sie selbst dazu finden müssen und vermutet, dass wohl die meisten von uns hier, die abnehmen wollen, in den Eltern keine sportlichen Vorbilder hatten.

Ich kann dieser Vermutung insofern zustimmen, dass meine Eltern sicher einen Einfluss auf mein heutiges Gewichtsproblem hatten. Aber sportlich waren sie allemal.
Beide haben aktiv und erfolgreich Radsport betrieben und sind auch heute im fortgeschrittenen Alter (ca. 70)  sehr aktiv. Als ich noch ein Kind war, sind wir viel und oft wandern gegangen und waren ständig mit dem Rad unterwegs. Im Winter gingen wir, wenn immer möglich, Ski fahren und Eislaufen. Mit meiner Patentante, die mir damals auch ein wichtiges Vorbild war, ging ich regelmäßig schwimmen.

Dann kam eine Phase, in der ich überhaupt keinen Sport mehr gemacht habe. Es hat keinen Spaß mehr gemacht. Zum einen war durch das ganze Naschen und die falsche Ernährung mein Körper schwer und dick und Bewegung immer anstrengender geworden. Und zum anderen wollte ich mich wohl dem Wettbewerbsdenken meines Vaters entziehen. Ich hatte keine Lust mehr den Berg hinaufzurennen. Und naja, Fahrradfahren, ja – bis ans Ende meiner Kräfte, nein.

Erst viel später, als ich quasi von mir aus wieder zurückgefunden habe, hat es mir wieder Spaß gemacht und auch das Auspowern, das ich bei meinem Vater gehasst habe, hat zu Glücksgefühlen geführt. Das war aber auch zu einer Zeit, als ich meinen „dicksten Brocken“ schon fallen gelassen hatte und schon etwas schlanker war.

Zuvor war Sport für mich einfach viel zu sehr ein Muss und kein Spaß mehr. Ich war einfach die kleine, dicke Unsportliche in unserer Familie. Und das hab ich sicher nicht selten zu hören bekommen.

Wie ich überhaupt dick werden konnte, wenn ich doch eh viel Bewegung hatte? Durchs Teller aufessen, nicht aufstehen dürfen, wenn der Teller nicht leer ist. Durch viele Süßigkeiten, Fertigprodukte und später einfach auch zu viel Essen – meine Mutter wollte damit wohl einiges gut machen. Durch Kummer, den ich mit Essen zu heilen versuchte – wie es mir meine Mutter beigebracht hatte. Und durch den schleichenden Bewegungsmangel.

Meine Schwester ist um einige Jahre älter als ich. Auch sie war in ihrer Kindheit und Jugend dick bis adipös. Auch sie hat es irgendwann gehasst, Ski fahren und wandern zu gehen. Heute rennt sie zweimal die Woche den Berg hoch, geht ins Fitnessstudio, täglich joggen und lässt das Auto dem Fahrrad zu liebe fast immer stehen.

Aber auch sie hat die gleiche „Schule des Essens“ absolviert wie ich. Vorm Fettwerden haben uns sportliche Eltern nicht geschützt. Vielleicht haben sie geholfen, später wieder leichter dazu zu finden.

Ich möchte meine Kinder, von denen ich ausgehe, dass ich sie einmal haben werde ;), mit Sport vertraut machen. Keine Frage, da gehe ich mit Mey konform. Ich möchte dabei aber auch versuchen, dass es nicht zu einem Muss wird, und schon gar nicht „Sport, weil du viel zu dick bist“.
Und ich hoffe, dass ich meinen Kindern einmal ein gesundes Essverhalten vermitteln kann. Ich halte meinen Eltern und anderen wichtigen Bezugspersonen meiner Kindheit nicht vor, wie sich mich in dieser Hinsicht erzogen haben. Mittlerweile bin ich erwachsen und es liegt in meinen Händen. Ich möchte es nur nicht an meine Kinder weitergeben. Denn wenn ich so zurückblicke, dann war es primär das falsche Essverhalten, das mich dick gemacht hat. Ich wage zu behaupten: Zu wenig Sport war die Folge.

Zu Fettleibigkeit auch bei Kindern gibt es einige Studien und natürlich kann man für so viele Thesen eine passende finden, die einem das Gesagte bestätigt. Tatsächlich habe ich auch für meine Behauptung eine Studie (Fatness leads to inactivity, but inactivity does not lead to fatness: a longitudinal study in children)  gefunden ; ) Deren Ergebnisse lassen vermuten, dass Kinder, die an Adipositas leiden, aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit sich auch weniger bewegen, wie in diesem Artikelbeschrieben (in englischer Sprache).

Was denkt ihr zu diesem Thema? Was ist euch dabei spontan durch den Kopf gegangen?

Ich denke, ich bin etwas abgeschweift, in meiner Geschichte. Aber deshalb ist auch aus einem Kommentar ein Blogeintrag geworden ^^

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2 Gedanken zu diesem Thema

  1. Hallo :)

    Meine E-Mail-Adresse steht jetzt auch bei mir im Impressum! Freu mich schon auf deine Ideen :)

    Aaah, okay. Ich bin ja ziemlich skeptisch, was alle Diätmethoden angeht, bei denen man keine "echten" Nahrungsmittel zu sich nimmt. Aber wenn es für dich funktioniert hat :)

    Ich kann dir übrigens nur zustimmen, wenn du sagst, dass einem falsche Ernährung die Lust am Sport nimmt ... Bei mir war es genauso. Meine Mam hat mich früher immer in diverse Turnkurse gesteckt, da habe ich über Jahre hinweg mindestens einmal pro Woche 1 1/2 Stunden lang Sport gemacht, zusätzlich zum Schulsport. Aber ich war nie wirklich dünn. Richtig dick zwar auch nicht, aber meine Essensgewohnheiten haben wohl auch dazu geführt, dass mich der Sport zu sehr fertig gemacht hat. Irgendwann bin ich dann nicht mehr hingegangen, obwohl mir vieles davon (Tanzen, Volleyball, Aerobic) an sich gefallen hätte - wäre ich nicht immer so verdammt schnell aus der Puste gewesen. Vielleicht bin ich deshalb auch heute noch eher abgeneigt, solche Kurse regelmäßig zu besuchen, weil ich sie bisher immer abgebrochen habe :S

    Du sprichst mir auf jeden Fall aus der Seele, wenn du sagst, dass du deinen Kindern weitergeben möchtest, was du über eine gesunde Lebensweise gelernt hast!

    Liebe Grüße,
    Teresa

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  2. Hey!
    Endschuldige bitte, dass meine Antwort so spät kommt.

    Ich glaube, dass du mit vielem Recht hast.

    Auch ich habe damals zwar Sport gemacht (ich war damals fast 4 Jahre in der Garde), aber ziemlich falsch gegessen.

    Natürlich will ich meinen Kindern auch ein vernünftiges Essverhalten beibringen. Ich habe letzten Monat eine Bekanntschaft gemacht, die genau das hinbekommt.
    Seinen Kindern ein fundamentiertes gesundes Essverhalten beizubringen und sie an Sport heran zu bringen ohne sie zu überfordern.
    In so fern ist er ein großes Vorbild für mich.

    Ich meine, komplett alles richtig machen, kann man eh nicht. Aber ich will versuchen so viel wie möglich so gut wie möglich zu machen.
    :)

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Danke für deine Worte : )
Ein nettes Wort, ein lieber Gruß, positive wie negative (konstruktive) Kritik - ich freu mich!

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