Alle Kalorien sind gleich?

Dienstag, November 20, 2012


Wer sich nur ein bisschen mit dem Thema Ernährung beschäftigt, weiß, wie vielschichtig und trügerisch dieses Thema ist. Empfehlungen, was gesund und gut ist, gibt es zur Genüge. Warnungen darüber, was ungesund, nicht empfehlenswert oder gar gefährlich ist, findet man noch viel häufiger.

Bei meinem letzten unfreiwilligen Fernsehnachmittag am Freitag bin ich beim Zappen auf einen Beitrag bei LexiTV im MDR gestoßen. Hier wurde die These aufgestellt, dass jedes Essen an sich gesund ist - in der Form, dass es dem Körper nicht schadet. Solange die Kalorienbilanz stimmt könne sich ein Mensch genauso gut von Burgern und Pommes ernähren wie von Obst und Gemüse, ohne dabei Folgeerscheinungen befürchten zu müssen.



Natürlich hat mir das erst einmal die Haare aufgestellt. Klar, wenn ich die zu mir genommenen Kalorien im Rahmen meiner Energiebilanz halte, ist keine Zunahme zu befürchten. Aber ein Apfel muss doch gesünder sein als ein Burger. Oder?
In besagtem Beitrag hat sich der Fernsehkoch Tim Mälzer ebenso gewundert und ein kleines Experiment in Abstimmung mit einem Expertenteam von der Uni durchgeführt. Ein Haufen junger, gesunder Männer wurde in drei Gruppen aufgeteilt, die im Zuge des 14-tägigen Experiments nur mehr eine bestimmte Kost zu sich nehmen durften.
Gruppe A genoss mediterrane Kost mit viel Gemüse, Fisch, aber auch Pasta. Gruppe B aß deutsche Hausmannskost und Gruppe C schlemmte Fastfood - Burger, Pommes & Co. Jede Gruppe bekam dabei auf eine Kalorienvorgabe abgestimmte Portionen, sodass die Kalorienzufuhr bei jedem Teilnehmer gleich war. Abseits der von Tim Mälzer und seinem Team gekochten Speisen durfte nichts gegessen werden.
Zu Beginn wurde allen Blut abgenommen, wie auch nach Ende des Experiments.

Interessanterweise nahm keine einzige Frau am Experiment teil - der Hormonhaushalt unterliegt beim weiblichen Geschlecht zu großen Schwankungen. Nur so am Rande.

Natürlich ist fraglich wie viel Wirklichkeit in einer Fernsehproduktion tatsächlich transportiert wird, aber den gezeigten Aufnahmen zu Folge, hatten die Teilnehmer der Gruppe A jede Menge Spaß. Schöne, große Portionen, bunt und genüsslich anzuschauen, dazu auch mal ein Gläschen Wein. Gerade zu in Feierlaune präsentierte sich der Tisch.
Und auch in den folgenden Tagen gaben die Probanden an, dass sie sich energiegeladener fühlen und mehr Lust auf Sport haben.

Die Fastfood-Gruppe zeigte sich da als krasses Gegenteil. Lustlos blickten sie drein - Fernsehwirklichkeit - und nach einiger Zeit hing ihnen das Essen scheinbar zum Halse raus. Das Schlimmste an dieser Diät jedoch: der nagende Hunger.
Obwohl alle drei Gruppen exakt dieselbe Kalorienzufuhr hatten, knurrte Gruppe C der Magen. Schließlich mussten die täglichen Kalorien aller drei Gruppen erhöht werden, damit die Teilnehmer der Fastfood-Gruppe nicht ganz absprangen! Im gleichen Zuge konnten jene, die dem mediterranen Speiseplan unterlagen, kaum mehr die großen Portionen bewältigen.

Hier könnte man also meinen, dass Ernährung mehr ist, als reine Energiezufuhr für den Körper. Das subjektive Wohlbefinden der Teilnehmer driftete doch so stark auseinander.

Auch die Angst vor dem bösen Fett wurde thematisiert. In einer Studie mussten Teilnehmer über einen gewissen Zeitraum Milch trinken. Die einen Magermilch, die anderen mit verschiedenen Fetten versetzte Milch. Etwa eine Gruppe, die Sahne dazu bekam, aber auch eine Gruppe mit Pflanzenöl. Es gab keine signifikanten Gewichtsveränderungen. Der Körper glich die zusätzlichen Kalorien aus – durch einen erhöhten Grundumsatz oder weniger Kalorienzufuhr bei anderen Mahlzeiten?

Nach zwei Wochen hatten die strikten Speisepläne im erstgenannten Experiment ein Ende und es wurde wieder Blut abgenommen. Ergebnis: keine signifikanten Unterschiede.

Der Professor erklärte sogar, dass die Sache mit dem Wohlbefinden dem Placebo-Effekt zuzuschreiben sei.
Dass man von einer Burger basierten Ernährung keine Mangelerscheinungen bekomme, wurde darin demonstriert, dass ein Burger auf seine Bestandteile untersucht wurde. Tatsächlich konnte bei vielen Vitaminen ein Anteil gefunden werden, der 100 oder zumindest 80 Prozent des empfohlenen Tagesbedarfs entsprach. Dem zu geringen Anteil an Vitamin C könne mit einem Glas Orangensaft entgegengewirkt werden.

Nun, auch wenn ich dem Ganzen skeptisch begegne – die Untersuchung war auf zwei Wochen beschränkt, und kann eine Blutuntersuchung wirklich alle relevanten Bereiche abdecken? – solange sich unsere Ernährung im Rahmen unserer Energiebilanz hält, scheint nichts wirklich schädlich zu sein.

Es muss hinzugefügt werden, dass dies nur für ansonsten gesunde Menschen gilt. Wer schon vorbelastet ist, der kann sich und seinem Körper mit der falschen Ernährung durchaus Schaden!

Viel interessanter finde ich jedoch, die Schilderungen der Probanden. Ob nun Placebo-Effekt oder nicht. Mediterrane Kost steigerte das Wohlbefinden, während Fastfood den Hunger nicht in Schach halten konnte. Da außerhalb der festgelegten Mahlzeiten nicht gegessen werden durfte, konnten die Teilnehmer ihren Hungergefühlen auch nicht nachgeben. Hätten sie das getan, wäre das Ergebnis dann anders gewesen? Schwer zu sagen, aber es offenbart, was Fastfood so gefährlich macht. Es lässt uns mehr und mehr essen.

Wer das Buch „Good Omens“ kennt, der erinnert sich vielleicht an den Apokalyptischen Reiter Famine (oder Hunger), der eine viel interessanter Weise gefunden hat, die Menschen verhungern zu lassen. Er gibt ihnen Nahrung, die keine Nährstoffe enthält und nicht satt macht. Sie essen und essen und essen und verhungern, während sie essen.
(Auch interessant: wie sehr sich Famine über die ganzen diätgestörten Frauen, insbesondere Models freut.)

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1 Gedanken zu diesem Thema

  1. Danke für's Mut machen. :D Und ja, es lief einigermaßen. Muss ja. ;) Ich finde das Testergebnis interessant...und denke auch, dass man sich echt besser fühlt, wenn man gesund ist. :)

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Danke für deine Worte : )
Ein nettes Wort, ein lieber Gruß, positive wie negative (konstruktive) Kritik - ich freu mich!

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